Cooles Segeln und kaltes Gelato

Bericht vom Flottillentörn 2019

Samstag, 28. September 10 Uhr auf Sardinien. Frauke und ich sitzen bei strahlendem Sonnenschein auf der Terrasse der SunCharter Basis in der Marina dell´Isola und warten auf unsere Mitsegler. Von hier aus wollen wir in einer Geschwaderfahrt mit zwei gecharterten Schiffen und der Bavaria „Rapite“ unseres Clubmitgliedes Arno das attraktive Revier rund um die Costa Smeralda und das Maddalena Archipel erkunden. Nachdem unser „Senior“ und Weltumsegler, Achim, leider aus gesundheitlichen Gründen kurzfristig absagen musste, sind wir 5 Damen und 7 Herren, alles Mitglieder bzw. Freunde des Kölner Yacht Club, die sich auf einen tollen Segeltörn freuen.

Während die beiden gecharterten Yachten vom Typ SunOdyssey 44i „Flying Home“ und „Salza“ vom Basis-Personal geputzt und für unseren Törn vorbereitet werden, treffen nach und nach alle Teilnehmer ein. Die Formalien sind mit Basis Leiter Andrea schnell und unkompliziert erledigt. Bernd skippert die „Flying Home“ und ich die „Salza“. Bleibt noch die Verproviantierung. Den Großteil des Einkaufes haben wir per Liste über die Basis organisiert und bereits am Mittag stehen die Kisten zum Einladen bereit am Steg. Der Einkauf der frischen Sachen im nahe gelegenen Supermarkt ist mit den Mietwagen von zwei Crewmitgliedern, die schon vorher Sardinien touristisch erkundet haben, kein Problem. Am Nachmittag trifft auch die „Rapite“ von Arno und seiner Frau in der Marina ein. Deren Heimathafen ist seit vielen Jahren Santa Teresa Gallura, ein Tagesschlag von unserer Ausgangsbasis entfernt. Damit ist unser kleines Geschwader für die folgende Woche komplett.

Für den Abend haben wir im nahen gelegenen Restaurant „Il Segreto“ reserviert. Der Wirt hat es gut gemeint und uns Anbetracht des warmen Abends einen langen Tisch auf der Terrasse eingedeckt. Dumm nur für die, die schwarze Spagetti bestellt hatten, denn diese wurden ausgerechnet auf schwarzen Tellern serviert, was das Essen bei mildem Kerzenschein nicht unbedingt einfach machte.


Der Sonntag startet sonnig und warm mit leichtem westlichem Wind. Als Tagesziel legen wir Bonifacio fest. Das bedeutet nach anfänglichem Anlieger entweder kreuzen durch das Madalenen Archipel oder alternativ lange Schläge nördlich um den Archipel herum. Arno und wir entscheiden uns für den Weg durch den Archipel, Bernd wählt den längeren Weg mit weniger Kreuzschlägen. Egal wie, nach acht Stunden Segelei liegen wir wohlbehalten im Hafen von Bonifacio, mit der traumhaften Kulisse der Zitadelle im Hintergrund.

Beim morgendlichen Briefing entscheiden wir aufgrund des weiter vorherrschenden Westwindes und der angesagten bis zu 6 Bft nicht weiter in Richtung Westen zu gehen. Angenehmes Segeln bei achterlichen und raumen Kursen verspricht der Weg auf die Ostseite von Korsika. Wir entscheiden uns für die Baie de San Ciprianu in der Einfahrt vom Golf von Porto Vechio. Eine wunderschöne Bucht, die mit ihrer Lage eine ruhige und sichere Nacht am Anker verspricht. Nach anfänglichen 3 Bft legt der Wind ab Mittag deutlich zu. In der Spitze messen wir knapp über 30 kn. Nur unter Genua rauschen wir mit 7 bis 8 kn Speed an der Küste Korsikas vorbei. Bei moderater Welle aufgrund der Landabdeckung einfach Segelspass pur. Wir auf der „Salza“ messen im Surf 10,2 kn über Grund, was Crew und Skipper ein Grinsen ins Gesicht zaubert. Über Nacht legt sich der Wind, so dass wir den Morgen erst einmal ausgiebig zum Baden im 24 Grad warmen, türkisen Wasser nutzen. Gegen 11 Uhr lichten wir die Anker und machen uns auf den Weg nach La Madalena in den dortigen Stadthafen Porto Turistico Cala Gavetta. Dieser Hafen ist einer der beliebtesten Orte in diesem Revier und auch in der Nachsaison empfiehlt es sich, dort Plätze zu reservieren. Für Arno kein Problem, ist er doch mehrmals im Jahr dort und hat einen guten Draht zum Hafenmeister. Bei westlichem Wind von 20 kn sind die 30 sm , vorbei an den Inseln Santa Maria, Budelli und Spargi , schnell abgerissen. Beim Einlaufen in den Hafen am frühen Nachmittag stellen wir sofort fest, dass es gut war, vorab zu reservieren. Der Hafen ist schon gut gefüllt und immer mehr Schiffe haben offensichtlich das gleiche Ziel. Die Marineros weisen der „Salza“ und der „Flying Home“ einen Liegeplatz an der Ost Pier direkt vor der Flaniermeile zu. Arno mag es lieber etwas ruhiger und bekommt vom Hafenmeister einen Platz im inneren Bereich zugewiesen. Bei der ersten Land Erkundung erweist sich der Liegeplatz insbesondere für Helmut, meinem Co-Skipper, als ideal. Liegen wir doch direkt vor einem Gelatto Laden. Für ihn als bekennenden Eis Freak konnte es keinen besseren Platz geben. Aber auch die restlichen Crew Mitglieder der Schiffe nutzten die nahe Lage und frequentierten den Laden mehrfach. Bei dem leckeren Eis, der Vielfalt der Sorten und der warmen Temperatur von 26 Grad auch kein Wunder. Für das gemeinsame Dinner kamen nach Empfehlung von Arno eigentlich nur zwei Restaurants in Betracht, die Pizzeria Sergent Peppers und das L’aragosta. Das Erstere hatte leider aus unbekannten Gründen zu. Im L’aragosta zeigte sich dann mal wieder die Flexibilität italienischer Gastwirte. Zwölf Leute an einem Tisch, kein Problem. Schnell wurden entsprechende Tische zusammengerückt und ansprechend eingedeckt. Das gute Essen, das gute Preis/Leistungsverhältnis veranlasste uns dann auch am nächsten Abend dazu, dort einzukehren.

Im sicheren Hafen - La Maddalena

Die Teilnehmer

Der Mittwoch startet mit strahlendem Sonnenschein und gutem Segelwind. Trotzdem entscheiden wir beim morgendlichen Briefing, im Hafen zu bleiben. Alle verfügbaren Wetterberichte sind sich darüber einig, dass es ab Mittag ungemütlich wird. Ab Mittag sind bis zu 35 kn Wind angesagt und das wollen wir uns nicht unbedingt antuen. Der Wetterbericht sollte Recht behalten. Im geschützten Hafen messen wir 29 kn Wind. Also die richtige Entscheidung getroffen und dadurch Zeit für eine Erkundungstour per pedes. Die Stadt La Maddalena mit ihren rund 13.000 Einwohnern zählt lt. Reiseführer zu den schönsten Städten Sardiniens. Palazzi aus dem 18ten Jahrhundert, enge Gassen und Treppen prägen das Stadtbild. Dazu ist heute noch Markttag, der leider fast vom Wind verweht wird. Das mediterrane Angebot an Fleisch, Fisch und Obst nutzen wir, um die Vorräte für den Rest der Woche aufzufüllen.

Der Donnerstag startet wieder warm und wolkenlos und mit westlichen Winden um 4 Bft. Ideal für einen Trip nach Süden. Bestärkt wird unsere Routenplanung durch die vorhergesagte Drehung des Windes auf Nord. Tagesziel ist die Bucht Spalmatore di Terra in der Südwest Ecke der Insel Tavolara. Die Bucht ist gut geschützt bei nördlichen Winden und man ankert auf 5 bis 7 m Wassertiefe vor grandioser Kulisse. Leider verabschiedet sich Arno heute aus unserer Flotte, da für ihn die Zeit für den Rückweg von Tavolara zurück zum Heimathafen zu knapp wird. Nach ausgiebigem Frühstück werfen Bernd und ich gegen 10 Uhr die Leinen los und setzten Segel in Richtung Süden. Mit raumem Wind zunächst unter Groß und Genua, später nur mit Genua platt vor Laken, segeln wir an der Insel Stefano vorbei in Richtung Capo Ferro. Dort dreht wie erwartet der Wind auf nördliche Richtung und legt auf 21 kn zu. Gut für uns bei einem Generalkurs von 145 Grad. Bernd entscheidet sich für die Anfahrt zur Bucht um SO Spitze von Tavolara, wir nehmen die NO Ecke und ziehen mit ordentlich Speed unterhalb der Felswände dem Ankerplatz entgegen. Fast zeitgleich erreichen wir die Bucht, die schon von einigen Motor- und Segelyachten bevölkert wird. In der Bucht liegt eine Hand voll Bojen aus, aber 60€ für eine Nacht halten wir für übertrieben. Da tut es der Anker auch, dachte ich. Hatte ich doch bei 5 m Wassertiefe den Anker gut eingefahren und mit 35 m auch meiner Meinung nach ausreichend Kette gesteckt. Das erwies sich aber leider als Irrtum. Eine halbe Stunde nach unserem Ankermanöver zeigten sich am Himmel in Richtung Norden bedrohlich dicke graue Wolken. Quasi von jetzt auf gleich legte der Wind von 16 auf 32 kn zu. In der Spitze zeigte der Windmesser 40 kn an.

Das war offensichtlich zu viel für meinen Anker und er begann zu slippen. Aufgrund des starken Windes und der Enge der Bucht verzichtete ich auf einen neuen Versuch und entschied in die 4 sm südlich gelegen Bucht Brandinchi abzulaufen. Die kenne ich von vorhergehenden Törns als gute Alternative bei nördlichen und westlichen Winden. Bernd hatte mehr Glück oder sorgfältiger gearbeitet. Sein Anker hielt dem Winddruck stand, auch wenn das Liegen sicher etwas ungemütlich war.

Am nächsten Morgen war von dem Frontendurchzug nichts mehr zu spüren. Im Gegenteil – nahezu Flaute. Für den Rückweg von etwa 16 Meilen blieb uns genug Zeit den Heimweg unter Segeln anzutreten Bei 5 bis 6 kn Wind näherten wir uns in Schleichfahrt und kreuzender Weise langsam dem Capo Figari an der Einfahrt zur Bucht von Olbia an. Ab da ging unter Segeln nichts mehr, zumindest wenn wir unser Ziel bis zum Abgabetermin 17 Uhr erreichen wollten. Schweren Herzens starteten wir den Motor für den Rest der Etappe. Während der ganzen Woche hatten wir die Maschine nur für das An- und Ablegen gebraucht, aber nun drängt uns die Zeit. Insgesamt sind wir 175 sm gesegelt. Haben viele schöne Segelstunden in einem tollen Revier gehabt und viele neue Eindrücke für die lange segelfreie Zeit mitgenommen.
Der Rest ist schnell erzählt. Die Rückgabe der Schiffe war problemlos. Am Abend hatte das Basispersonal für die Chartercrews in der Marina noch ein Barbecue organisiert bei dem wir unsere Erlebnisse noch einmal Revue passieren lassen konnten. Mit einem letzten Glas sardischen Weines verabschiedeten wir uns aus einer tollen Location und einem wunderschönen Törn.

Text: Dr. Joachim Demont

 

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