Skippertraining in Langenargen

Oktober 2013

Match Center Langenargen am Freitagabend

Match Center Langenargen am Freitagabend

Als ich im Frühjahr die Werbung zum Yacht-Skippertraining mit Tim Kröger im Online Portal der Zeitschrift Yacht las, dachte ich als allererstes: Bringt so eine Maßnahme etwas? Auch für Leute wie mich, die schon über 30 Jahre segeln? Zweiter Gedanke – Warum eigentlich nicht.
Dazulernen kann man immer etwas und außerdem war ich noch nie zum Segeln auf dem Bodensee. Also was soll’s, melde dich einfach mal an und schau was daraus wird. Um es vorwegzunehmen: JA, es bringt etwas – auch für alte Hasen – und Spaß macht es auch noch.
Am Samstag (12.10.2013) trafen sich insgesamt 24 Teilnehmer im Stadthafen von Langenargen. Bepackt mit dicken Taschen und reichlich Klamotten, denn die Wettervorhersage für das gesamte Wochenende verhieß Temperaturen zwischen 3°C und maximal 12°C, also Zwiebel-Look auf dem Wasser war angesagt. Die Windprognose von Windfinder klang leider nicht so vielversprechend. 2-6 kn vorhergesagter Wind, was für ein intensives Segeltraining auf dem Wasser auch nicht gerade der Bringer ist.
Als wir kurz vor 9 Uhr zum Briefing in die Räumlichkeiten des Match Center’s einmarschierten, lag der Bodensee in friedlicher Stille vor uns. So war klar, dass in der Begrüßungs- und Vorstellungsrunde als erstes die Frage „Na gibt das noch was auf dem Wasser heute?“ an die Trainer Tim und Felix gestellt wurde. Aber Felix, ortsansässig und vom Match Center, beruhigte die Seglerschar: „Das ist hier oft so, wird noch, nachher gibt’s mehr Wind“. Nach dieser beruhigenden Aussage widmeten wir uns nun etwas entspannter dem Vortrag von Tim Kröger, in dem er die Ziele „den Teilnehmern mehr Sicherheit und Souveränität beim Steuern und Trimmen zu vermitteln“ und die Umsetzung auf den 6 gleichen Booten erläuterte. Schnell wurde uns auch klar, warum der Kurs sich an erfahrene Eigner und Mitsegler wendet. Basics werden hier nicht vermittelt.
Hier geht es um Finetunig im komplexen Zusammenspiel Boot, Segel, Mannschaft und die Fähigkeit, aus bunt zusammengewürfelten Seglern schnell ein funktionierendes Team zu formen, das eine Yacht schnell über die Bahn bringt. Daher war der theoretische Teil am Samstag auch nach einer guten Stunde abgehandelt.
Gegen Ende des Briefings fingen die Fahnen im Yachthafen leicht zu flattern an, so dass der Praxisteil auch endlich beginnen konnte. Eingeteilt nach dem Abzählreim 1, 2,… alle Einsen auf Boot Numero 1, alle Zweien auf Boot Numero 2 und so weiter, war schnell die Zusammensetzung der Crews für die 6 gleichen Yachten vom Typ Bénéteau Class 7.5 zusammengestellt. Für mich, der in den letzten Jahren meist Boot jenseits von 40 Fuß gesegelt ist, erst mal wieder eine kipplige Kiste, ähnlich unserer clubeigenen VA18 nur wesentlich komplexer in der Bedienung. Nach einer kurzen Einweisung in die Technik der Boote mit hydraulischem Schwenkkiel und dem Hinweis „den Rest machen wir auf dem Wasser“ seitens Tim, ging’s unter Motor raus, versorgt mit Brötchen und einer Kiste Getränke in der Bilge. Schon beim Rausfahren startete der Teamfindungsprozeß ganz automatisch. Schnell waren die Rollen für die erste Trainingseinheit bei uns und auf den anderen Booten gefunden. Alle hatten die Message von Tim aus dem Briefing im Hinterkopf: Es gibt an Bord keinen Captain „Kleister“, der an der Pinne festgeklebt ist. Jeder soll auf jeder Position die Wichtigkeit der Rolle im Zusammenspiel für schnelles Segeln am eigenen Leibe erfahren. Was in den nächsten 5 Stunden auf dem Wasser folgte war genau das: Regelmäßiger Wechsel der Rollen, Optimierung der Abläufe, Ausprobieren der Segeleinstellungen mit allen zur Verfügung stehenden Trimmeinrichtungen bis hin zur Optimierung der Sitzpositionen der Crew-Mitglieder. Ständig kontrolliert und korrigiert durch die Trainer Tim und Felix, die von ihren Schlauchbooten aus uns nie aus den Augen ließen. Als Tim mir in der Rolle des Großschottrimmers energisch zurief: „Du musst den Traveller noch 3 cm rüber ziehen“ dacht ich so, OK man kann es auch übertreiben. Aber gesagt getan und das Ergebnis brachte uns im Vergleich zum parallel fahrenden Boot weiter voran. Derartig motiviert hätte es für uns noch Stunden weitergehen können. Nur spielte der Bodensee Wind nicht so recht mit. Nachdem unter Mittag die Sonne die Wolken endgültig verdrängt hatte flaute der Wind von anfänglich 3 bis 4 Bft deutlich ab und wir segelten gegen 15 Uhr mit dem letzten Windhauch gen Heimathafen. Nach Aussagen eines Mitstreiters aus der Region eine typische Situation bei der Wetterlage.
Der Sonntag startete wieder mit Vortrag und Briefing, aufbauend auf den am Vortag gemachten Erfahrungen. Wer jetzt dachte, prima jetzt funktioniert unsere Crew schon ganz gut, heute optimieren wir das Ganze, wurde arg enttäuscht. Neues Abzählen – neue Crew! Der Trainingsablauf erfolgte ähnlich wie am Vortag mit dem Unterschied, dass nun vermehrt der Boot zu Boot Vergleich und kleine Rennen im Focus standen. Auch das Wetter hielt sich an das Scenario des Samstags mit ähnlichen Windverhältnissen und entgegen aller Vorhersagen mit tollem Sonnenschein bei ca. 15°C.
Was ist nun mein persönliches Fazit aus diesem Wochenende? Ja, ich habe noch einiges dazugelernt was die Optimierung des Segeltrimms und das Zusammenspiel einer Crew betrifft. So haben es offensichtlich auch die anderen Teilnehmer gesehen, denn im abschließenden Debriefing war das Feedback durchweg positiv. Eine prima organisierte Veranstaltung.

Schöner Nebeneffekt: Es war ein tolles Segelwochenende in angenehmer Atmosphäre auf einem See mit traumhafter Kulisse (wenn man schönes Wetter hat) und einer Windsituation, die man als Nicht-Einheimischer erst mal verstehen muss.


Text. Joachim Demont; Bilder: Alex Loithaler, Joachim Demont

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